Artikel von Udo Ungar - von Sommer 1995

Da bei vielen Deutschen die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse ein wichtiger Punkt ist, wird auch die Tänzerin letztendlich ihre Sachen packen und gehen, wenn ihre Ausreise genehmigt ist. Anders ist die Situation der deutschen Kirche in Siebenbürgen. Natürlich schrumpfen auch die Kirchenge-meinden im Land. Trotzdem haben die Kirchenmänner noch eine Aufgabe, solange es noch Deutsche in Siebenbürgen gibt. In dieser Situation sind sie oft die letzte Anlaufstelle für die Sachsen. Aber diese Kirchenmänner sind sich ihrer Lage voll bewußt. Sie werden die letzten sein, die gehen.

"Der Letzte macht die Türe zu."

Dazu gibt es eine bezeichnende Geschichte. Bei einem Besuch beim Bischof Klein im Bischofssitz in Hermannstadt sahen wir uns gemeinsam die Galerie mit den Portraits aller Bischöfe Siebenbürgens an. Dort hingen sie alle, vom ersten bis zu letzten. Und wie in der sixtinischen Kapelle in Rom, wo die Portraits der Päpste hängen, wird auch in dieser Galerie der Platz knapp. Eigentlich ist der Platz äußerst knapp bemessen, denn es ist nur noch Platz für ein Portrait; das ist das Portrait des aktuellen Bischofs Klein. Und wirklich ist mit diesem letzten Portrait das Ende eingeläutet, der Bischof ist sich klar darüber,

nicht der Arbeitslosigkeit ausgeliefert zu sein. Nur wirft die Stadtverwaltung zur Zeit jedem, der sich mit dem Gedanken trägt, selbständig zu werden, Knüppel zwischen die Beine. Es gibt keine Geschäftsräume, die von der Stadt zur Vermietung freigegeben werden und das Procedere, eine Firma anzumelden, ist ein unglaublicher Spießrutenlauf durch die Behörden.

Es müssen 29 Stellen abgelaufen werden, außerdem kostet das Anmelden tausende DM. Abgesehen davon ist durch die Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit kein zahlungskräftiges Publikum vorhanden, das eine Tanzschule kostendeckend tragen könnte.
SIEBENBÜRGEN - wie lange noch?
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