Artikel von Udo Ungar - von Sommer 1995
Wie die Anstrengungen der Verbände der Sachsen in Deutschland zeigen, halten sich die ortsunabhängigen Eigenheiten der Siebenbürgisch-sächsischen Kultur auch an anderen Orten. Einige Eigenheiten, die an die Landschaft in Siebenbürgen gebunden waren, vergehen, aber der Wille zur Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, Selbstverwaltung und zur Gemeinschaft werden sich halten. Veranstaltungen wie das alljährliche Treffen aller Sachsen in Dinkelsbühl täuschen in ihrer Ähnlichkeit zu den Veranstaltungen anderer Vertriebenen-gruppen über den Umstand hinweg, daß die Struktur der Sachsengemeinschaft eine andere ist. Keine revanchistischen Tendenzen, keiner will zurück.

Sachse kann man überall sein.

Auch wenn man bei der Veranstaltung den Eindruck eines reinen Trachtenaufzuges gewinnen könnte, es ist mehr als "Disney" auf sächsisch. Die Tracht ist nur äußerer Ausdruck eines tieferen Zusammengehörigkeitsgefühls. Unabhängig von der langen Geschichte und des Bewußtseins davon ist den Sachsen das Hier und Jetzt wichtiger. Man schwärmt von der alten Heimat, doch man weiß um das Ende und verlegt sich auf

daß er vorraussichtlich der letzte protestantischer Bischof in Rumänien sein wird. Wenn nun in naher Zukunft der letzte Deutsche gegangen sein wird, ist es auch mit dieser einmaligen, selbstverwalteten Kirche vorbei.

Aber wird es auch mit der siebenbürgischen Kultur vorbei sein, wenn der letzte Sachse Rumänien verlassen haben wird? Man kann, so glaube ich, diese Frage verneinen.
Diese Kultur hat sich zwar durch die speziellen Umstände in Siebenbürgen entwickelt, sie hat aber auch durch ihre Inselstellung eine Ortsunabhängige Autarkie gewonnen.

SIEBENBÜRGEN - wie lange noch?
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